Die Blätter werden bunt, der Wind pfeift mir um die Ohren, wenn ich morgens aus dem Haus gehe, und meine Teekanne ist im Dauereinsatz – der Herbst hat Einzug gehalten.
Das ist die Jahreszeit, in der viele Gruppen und Teams auf der Suche nach neuen Supervisor*innen sind. Bei einer Anfrage vereinbare ich ein erstes Gespräch zum Kennenlernen, nach dem wir entscheiden, ob wir zusammenarbeiten wollen. Dabei höre ich oft die Frage, was ich als Supervisorin denn tue, wenn es keine aktuellen Themen zu besprechen gibt.
Eine spannende Frage, wie ich finde. Während es im Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich überall kracht und grammelt, sollen ausgerechnet die, die dort arbeiten, keine Fragen und Anliegen haben? Oft liegt es an anderen Faktoren.

Warum Teams und Gruppen kein Thema finden und was helfen kann
- Wenn die Einstellung vorherrscht, dass „Reden alleine eh nicht hilft“!
Einer der häufigsten Kritikpunkte an Supervision überhaupt. Als Supervisorin habe ich keine Entscheidungsmacht und kann keine Strukturen verändern.
Was ich aber anleiten kann:- Analyse der Strukturen (Was genau ist eigentlich das Problem?)
- Veränderungswünsche konkretisieren (Was brauche ich, damit ich zufriedener in meiner Arbeit bin?)
- Ansprechpartner*innen identifizieren (Wer könnte diese Veränderung herbeiführen?)
- erste Schritte in Richtung des gewünschten Ziels erarbeiten (Wie gehe ich es konkret an?)
- Wenn Supervisand*innen gar nicht wissen, was sie überhaupt besprechen könnten. Viele glauben, dass Supervision nur Fallsupervisionen umfasst oder dass es nur um einen Austausch von Befindlichkeiten geht.
Dann hilft es oft zu klären, was in der Supervision alles Platz hat, zum Beispiel:- Erfahrungsaustausch
- Fallbesprechungen
- Frust abladen (bis zu einem gewissen Punkt, nicht als alleiniges Ziel)
- Rahmenbedingungen und Organisatorisches klären
- Zusammenarbeit besprechen
- Handlungsstrategien und Handlungsabläufe besprechen
- Teamgefüge stärken
- Strategien zur Selbstfürsorge erarbeiten
- Konflikte klären
- Kommunikation verbessern
- und noch vieles mehr
- Wenn nicht genug Vertrauen untereinander besteht, um tatsächliche Themen anzusprechen.
In diesem Fall ist genau das das Thema und wir arbeiten an diesem Vertrauen, der Gruppendynamik, einer guten Fehlerkultur und dem konkreten Umgang miteinander. - Wenn Supervision nicht die richtige Maßnahme ist. Manchmal ist eine Supervision im gegebenen Ausmaß einfach nicht das, was diese Gruppe oder dieses Team gerade braucht, um die Arbeitszufriedenheit zu verbessern. Dann kann besprochen werden, was denn als hilfreiche Unterstützung an die Stelle der Supervision treten könnte. Sollte die Supervision eine Auflage der Institution sein, kann erarbeitet werden, wie diese Zeit bestmöglich genutzt werden kann, damit alle Teilnehmenden profitieren.
Zu all den genannten Punkten gibt es Einzel-, Team- und Gruppenübungen, Arbeitsblätter oder Modelle, die besprochen, reflektiert und auf die eigene Situation umgelegt werden können.
Für mich ist Supervision eine sehr flexible Methode, die sich gut an die Bedürfnisse der Supervisand*innen anpassen lässt. Mitzubringen ist ein grundlegendes Interesse an Reflexion, Neugier auf neue Perspektiven und der Wunsch, die anderen und sich selbst besser zu verstehen.
Beim Kennenlerngespräch sind die meisten Teams oder Gruppen mit dieser Antwort zufrieden. Sobald wir dann gemeinsam loslegen, ist es selten, dass uns die Themen ausgehen, sondern die Zeit oft zu knapp wird. Aber das ist ein Thema für einen anderen Blogartikel.
Wenn du über aktuelle Blog-Artikel informiert werden möchtest, schreib mir eine E-Mail mit dem Betreff „Abonnieren“ an kontakt@irmtraud-lichtenberger.at
