Raus aus dem Katastrophenmodus

Nur mal kurz aufs Handy schaun, einmal durch den Feed scrollen, und schon sinkt die Stimmung schneller als die Titanic: Egal in welchem Medium und auf welcher Online-Plattform, überall dominieren negative Schlagzeilen, katastrophierende Liveticker und düstere Bedrohungsszenarien. Würde die reale Welt mit ihrem medialen Bild übereinstimmen, dann sollten wir uns alle rasch auf den Weltuntergang einstimmen.

Wie sich KI den Untergang der Titanic vorstellt

Zum Glück sind die Welt, die Menschheit und das Leben ganz allgemein nicht so unrettbar verloren, wie uns (soziale) Medien vermitteln. Als Menschen mit einem Steinzeitgehirn leben wir in einem Zeitalter, in dem Informationen aus der ganzen Welt in Echtzeit auf unsere Synapsen einprasseln. Darauf sind sie nicht vorbereitet, im Gegenteil: Weil es fürs Überleben unserer Vorfahren wichtig war, auf Bedrohungen rasch und stark zu reagieren, erzielen negative Berichte stärkere Emotionen als positive. Das hat der Kommunikationsforscher Stuart Soroka von der Universität Michigan in einer Studie bereits 2019 nachgewiesen. Reißerische Schlagzeilen über die ach so schlechte Welt bringen deutlich mehr Clicks, mehr Reichweite, mehr Aufmerksamkeit. Das hat Einfluss auf die Produktion und die Auswahl von Nachrichten, die zu uns gelangen. Only bad News are good News, wie zynische Journalist*innen sagen.

Allein in der Nachrichtenflut

Schon jede und jeder Zweite fühlt sich laut einer aktuellen Studie des deutschen Digitalverbands Bitkom von der Nachrichtenflut im Internet überfordert. Die Dominanz schlechter Nachrichten führt zu Abwendung und Apathie und wirkt sich negativ auf die Psyche aus (die genauen psychologischen Mechanismen habe ich im Blogbeitrag „Diät für den Panik-Dino“ beschrieben).

Hinzu kommt, dass uns Smartphone, Tablet und Co. vereinsamen lassen: Zwar finden soziale Interaktionen auch über die technischen Kanäle statt, aber gleichzeitig verdaddeln wir Zeit, die wir sonst in der realen Welt mit echten Menschen verbracht haben. „Menschen werden nicht depressiv, wenn sie Gefahren gemeinsam begegnen, sie entwickeln Depressionen, wenn sie sich isoliert fühlen, abgeschnitten, einsam oder nutzlos“, schreibt der Sozialpsychologe Jonathan Haidt in seinem Buch „Generation Angst“.

Mach mal Pause, liebe Katastrophe!

Wie können wir uns also gegen die Flut medialer Weltuntergangsszenarien schützen? Einfach keine Medien mehr konsumieren, wie das immer mehr Menschen machen? Keine gute Idee: Wie sollen wir mit unseren Mitmenschen über aktuelle Ereignisse und Entwicklungen reden, wenn wir keinen Tau haben, was auf der Welt passiert?

Die Antwort liegt viel eher in der Art, wie wir Medien konsumieren. Statt immer wieder mal „kurz aufs Handy zu schauen“ (was meist eh nicht so kurz ist), besser einmal täglich gezielt Nachrichten in Qualitätsmedien ansehen.

Photo by Jeremy Bishop on Pexels.com

Eine besondere Entwicklung der letzten Jahre ist der Konstruktive Journalismus: Er beschreibt nicht nur, was in der Welt schief läuft, sondern bemüht sich, Lösungen für bestehende Probleme aufzuzeigen und zu diskutieren. Auch positive Entwicklungen werden dargestellt. Im deutschsprachigen Raum gibt es dafür einige spannende Beispiele:

Und der wichtigste Beitrag, um uns nicht von Bedrohungsbildern verunsichern zu lassen und den Kopf in den Sand zu stecken: Reden wir mit anderen über die Welt, wie sie ist, wie sie sein könnte, wie wir sie uns wünschen. Im Bus. Im Café. Am Sportplatz. Denn im Gespräch entsteht eine gemeinsame Dynamik, wie Jonathan Haidt schreibt: „Gemeinsame Angst kann Menschen zusammenbringen und sie zum Handeln motivieren, und gemeinsames Handeln ist aufregend.“

Du kommst alleine nicht aus der Dauerschleife negativer Berichterstattung heraus? Das Smartphone ist dein steter Begleiter, egal ob beim Toilettengang oder in der Sauna? Wende dich gerne an mich. Meine Kontaktdaten findest du hier, die Rahmenbedingungen meiner Tätigkeit hier.

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