Muttertag

Eine der ersten Abhandlungen zum Thema Mutterschaft, die mir Mitte der 90-er Jahre in die Hände fiel, war eine Sammlung von Kolumnen der amerikanischen Schriftstellerin Erma Bombeck. Eine der Geschichten, die mir besonders in Erinnerung blieb, war die einer perfekten Mutter, die jeden Tag frisch kochte, immer top gestylt war, sich in vielen Vereinen engagierte, sich bei jedem Elternabend über das Wohl ihrer Kinder erkundigte und Haus und Garten liebevoll gestaltete. Alle sagten über sie, dass sie eine perfekte Mutter sei. Ihre Kinder aber sagten das nie, sie gingen lieber zur Nachbarin, der Mutter eines ihrer Freunde. Diese Mutter lag gerne auf der Couch, sah mit den Kindern nachmittags inhaltsarme Fernsehserien, war übergewichtig und aß gekaufte Kekse aus der Vorratspackung.

Die Quintessenz? Es gibt große Unterschiede in der Auffassung darüber, was eine gute Mutter ausmacht. Das, was momentane gesellschaftliche Strömungen diktieren, muss nicht immer das sein, was für Ihre Kinder am besten ist.

Ein viral gegangener Facebookpost (leider ist der/die Verfasser*in unbekannt) aus dem Jahr 2017 bringt das Ganze auf den Punkt:

How To Be A Mom in 2017: Make sure your children’s academic, emotional, psychological, mental, spiritual, physical, nutritional, and social needs are met while being careful not to overstimulate, understimulate, improperly medicate, helicopter, or neglect them in a screen-free, processed foods-free, GMO-free, negative energy-free, plastic-free, body positive, socially conscious, egalitarian but also authoritative, nurturing but fostering of independence, gentle but not overly permissive, pesticide-free two-story, multilingual home preferably in a cul-de-sac with a backyard and 1.5 siblings spaced at least two year apart for proper development also don’t forget the coconut oil.

How To Be A Mom In Literally Every Generation Before Ours: Feed them sometimes.

Die sinngemäße Übersetzung lautet, dass es heute eine Vielzahl von Anforderungen gibt, die man als Mutter erfüllen sollte: Von der richtigen Ernährung über die perfekte akademische Förderung bis zur sanften, aber dann doch nicht zu nachgiebigen Erziehung ist alles dabei. Die Anforderungen an Mütter in früheren Generationen waren hingegen überschaubarer: nämlich den Nachwuchs in ausreichender Menge mit Essen zu versorgen.

Wie können Sie nun für sich entscheiden, wie Sie Ihre Mutterschaft anlegen?

Welche (gesellschaftlichen) Anforderungen wollen Sie erfüllen? Welche müssen Sie erfüllen?

Und was bedeuten Ihre Entscheidungen von heute für das Aufwachsen ihrer Kinder jetzt und in deren Zukunft?

Die psychologische Forschung kann über diese, höchstpersönlichen Fragestellungen nur beschränkt Aufschluss geben. Studien, die zeigen, dass die Anforderungen an Eltern und Kinder in den letzten Generationen komplexer geworden sind, finden sich viele. Was das für Sie nun konkret bedeutet, lässt sich aber nur schwer ableiten. Meine persönliche Erfahrung in der Beratung mit Müttern und Vätern zeigt, dass es sich auszahlt, die ganz eigenen Grenzen abzustecken, bevor Sie sich im täglichen Kampf, etwas zu erfüllen, was vielleicht für Sie persönlich unerfüllbar ist, aufreiben.

Ich verbringe den heutigen Muttertag mit meinem Mann und meinen Kindern. Die Kinder haben mir strahlend Selbstgebasteltes geschenkt, mir wurde Kaffee ans Bett serviert und danach habe ich eine Stunde lang Kinderbücher vorgelesen, um die erhitzten Gemüter der beiden, aufgeregten Kleinkinder nach einem ausufernden Streit inklusive Gebrüll, das wohl als Nachbar*innen aus dem Schlaf gerissen hat, wieder zu beruhigen.

Photo by Ioana Motoc on Pexels.com

Nein, ich habe dabei nicht friedvoll gelächelt, sondern meinem Unmut zuvor durchaus Luft gemacht. Ist dieses Verhalten in Elternratgebern beschrieben? Zum Teil ja, zum Teil nein. Die persönliche Erforschung meiner Ideen zu Mutterschaft hat ergeben, dass ich meinen Kindern gegenüber authentisch sein möchte. Wenn ich ärgerlich werde, teile ich das meinen Kindern ruhig und klar mit. Ich gebe Ihnen nicht die Verantwortung für meinen Ärger, ich verberge ihn aber auch nicht vor ihnen.

Wie haben Sie den Muttertag verbracht? Wie rosarot, wolkenfrei hat sich Ihr Tag gestaltet? Und wie sind Sie mit den aufregungsbedingten Streitigkeiten Ihres Nachwuchses umgegangen?

Wenn Sie Unterstützung beim Abstecken Ihrer Grenzen brauchen, wenden Sie sich gerne an mich. Informationen zur Kontaktaufnahme finden Sie hier. Elternschaft ist im Jahr 2021 (auch dank Corona) noch einmal ein gutes Stück komplexer geworden. Schonen Sie Ihre Nerven, holen Sie sich Unterstützung!

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