Bin ich bei dir richtig?

Wenn sich Klient*innen an mich wenden, stellen sie mir mehr oder weniger nervös diese Frage. Bin ich bei dir richtig? Die Schwelle, sich Unterstützung zu holen, ist für die meisten von uns sehr hoch. Wer ist schon mit sich selber so im Reinen, dass er auch seine Schattenseiten gerne vor anderen offen legt?

Hat man sich dann zur Kontaktaufnahme durchgerungen, ist die Angst groß zurückgewiesen werden. Die Erfahrung zeigt, dass es insbesondere stark belasteten Menschen schwer fällt, den Schritt einer weiteren Kontaktaufnahme zu gehen, wenn sie von einer Person, von der sie sich Hilfe erhoffen, abgewiesen werden.

Hinzu kommt, dass die Landschaft der helfenden Berufe in Österreich sehr vielseitig und dadurch komplex ist. Weißt du, ob du dich mit deinem spezifischen Problem nun am besten an eine Psychotherapeutin, eine Klinische Psychologin mit dem Schwerpunkt Familienpsychologie, einen Psychiater oder einen Lebens- und Sozialberater, der sich auf Klopftechniken spezialisiert hat, wendest?

Interessierst du dich für die genaue Abgrenzung der Berufsgruppen, so empfehle ich dir diese Übersicht der Österreichischen Gesellschaft für Sozialpsychiatrie. Kurz zusammengefasst, kannst du dich an die ersten drei Berufsgruppen mit psychischen Erkrankungen wenden, während Lebens- und Sozialberater*innen gesunde Personen bei Entwicklungsprozessen und Herausforderungen unterstützen.

Wer ist aber nun die richtige Beratungsperson für dich?

Forschung über die Beziehung zwischen Klient*innen und Psychotherapeut*innen als wichtiger Faktor, damit eine Therapie Erfolg haben kann, wird seit vielen Jahrzehnten betrieben. Je nach Studie wird diese Beziehung als mäßig bis sogar wesentlich entscheidender als die angewandten Methoden für den Therapieerfolg eingeschätzt. Aus meiner Sicht lässt sich diese Forschung auch auf andere Berufsgruppen umlegen. Du wirst wenig Erfolge bei der Lösung deines Problems erzielen, wenn du mit jemandem arbeitest, dem du nicht vertraust und dem du keine Kompetenz zuschreibst. Sympathie ist hingegen keine Voraussetzung für Erfolg. Du kannst jemanden für hochkompetent halten und die Zeit mit der Person als sehr hilfreich erleben, ohne sie als ausgesprochen sympathisch zu empfinden.

Wie wählst du nun die richtige Ansprechperson aus? Im ersten Schritt informierst du dich auf der Homepage. Spricht mich die Homepage an? Was sagt mein Bauchgefühl zu der Person auf dem Foto?

Zur Kontaktaufnahme wählst du am besten einen Weg, der dir angenehm ist. Du schreibst lieber als ein Telefonat zu führen? Dann ist es von Vorteil, wenn die gewählte Person diese Form der Kontaktaufnahme anbietet. Im Verlauf der Zusammenarbeit wirst du öfter in Kontakt treten müssen, entweder um Termine zu vereinbaren oder um kurze Absprachen zu treffen.

Photo by Ylanite Koppens on Pexels.com

Vor dem ersten Termin ist es dennoch meist sinnvoll, zumindest ein Telefonat zu führen. Nimm dir Zeit, alle für dich relevanten Fragen zur Zusammenarbeit zu stellen. Am besten notierst du diese vorab und arbeitest die Liste bei dem Telefonat durch. Entscheide dann, ob du einen Termin für ein Erstgespräch vereinbaren möchtest.

Auch das Erstgespräch ist dafür da, Fragen zu stellen, einen ersten Eindruck von der Beratungsperson zu bekommen und diese auf relevante Eigenschaften und Angebote abzuklopfen. Sei kritisch und höre auf dein Bauchgefühl. Es ist wesentlich sinnvoller, Telefonate und Erstgespräche zu führen, bis du bei jemandem landen, der für Sie passt, als einen Prozess bei jemandem zu beginnen, mit dem Sie von Vornherein nicht zufrieden sind.

Solltest du schon beim ersten Telefonat respektlos oder unhöflich behandelt werden oder das Gefühl haben, dir wird nicht die entsprechende Aufmerksamkeit entgegen gebracht, nimm dir die Freiheit, die Zusammenarbeit gar nicht erst zu beginnen. Es gibt die richtige Ansprechperson für dich. Nimm dir die Zeit, sie zu finden.

Ja, diesen Auswahlprozess anzugehen, kann mühsam sein und es kann Angst machen. Zwischendurch kann es verlockend sein, die Flinte ins Korn zu werfen, aufzugeben und doch alleine nach Lösungen zu suchen. Mein Vorschlag: Mach dir immer bewusst, dass die Frage nicht lautet, ob du richtig bist, sondern ob die Beratungsperson für dich richtig ist. Nicht du stehst auf dem Prüfstand, sondern die Person, an die du dich wendest.

Bist du bei mir richtig? Lass es uns herausfinden! Hier geht es zu meinen Kontaktdaten.

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