Mein Kind muss vor Gericht

Manche haben die folgende Situation bereits erlebt: Dein Kind erhält eine Ladung zum Familiengericht. Es soll in einem Obsorge- oder Kontaktrechtsverfahren seine Meinung kundtun. Wie reagierst du? Wie reagiert dein Kind?

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Kaum eines der Kinder, das ich in acht Jahren als Familiengerichtshelferin getroffen habe, war im ersten Moment von dieser Idee begeistert. Die meisten wünschen sich verständlicherweise Eltern, die diese Angelegenheiten regeln. Eltern, die in der Lage sind, den Fokus auf ihr Kind zu legen und sich nicht in einem Konflikt mit dem/der Ex-Partner*in verstricken. Leider gelingt das nicht immer. „Zum Frieden braucht es zwei, zum Krieg reicht einer“, so heißt ein Buch des Familylab-Deutschland Gründers Mathias Voelchert.

Du kannst noch so sehr um Konsens und eine kindgerechte, partnerschaftliche Trennung bemüht sein, wenn das Gegenüber diese mit aller Gewalt verhindern möchte, kannst du in ein jahrelanges Obsorge- oder Kontaktrechtsverfahren verwickelt werden. Das alles kannst du also im Hinterkopf haben, wenn diese Einladung vor dir liegt. Und bei den meisten Eltern löst das heftige Gefühle aus, z.B.

Wut: Warum tut er/sie uns das an? Welche Eltern tun ihren Kindern so etwas an?
Angst: Verliere ich jetzt mein Kind? Was, wenn mein Kind sagt, es möchte beim anderen Elternteil leben?
Ambivalenz: Soll ich in Zukunft weniger deutlich auf das Einhalten der Schlafenszeit pochen und das ein oder andere Eis mehr springen lassen? Wie viel „sanfte Manipulation“, um das Kind auf meine Seite zu ziehen, ist erlaubt?

All diese Gefühle sind normal. Du bist kein verantwortungsloser Elternteil, weil du so denkst oder weil du deine Möglichkeiten auslotest. Du hast Angst um dein Kind. Du hast Angst, dass der Mensch, für den du alles tun würdst, dir weggenommen wird. Menschen sind in Anbetracht dieser Angst zu vielem fähig.

Wie kannst du dein Kind möglichst unbeschadet durch dieses Verfahren führen?

Sprich mit deinem Kind! Manche Eltern trauen sich nicht, dieses Thema mit ihrem Kind zu besprechen aus Angst, ihnen könnte Manipulation vorgeworfen werden. Nun stell dir vor, du bist 12 Jahre alt, spürst, dass gerade etwas sehr Entscheidendes in deinem Leben passiert, und deine engste Bezugsperson spricht nicht mit dir darüber. Wie würdest du dich fühlen? Im Sinne des Kindeswohls rate ich dazu, das Gespräch mit deinem Kind zu suchen.

In erster Linie solltest du, möglichst wertfrei, erklären, worum es bei diesem Verfahren geht:

„Dein Papa/Deine Mama und ich sind uns nicht darüber einig, wo du in Zukunft leben sollst. Da wir keine gemeinsame Entscheidung treffen können, haben wir uns an ein Gericht gewandt, dass uns bei dieser Entscheidung unterstützen wird. Der/die Richter*in möchte nun auch mit dir sprechen, um deine Meinung und deine Wünsche zu der Sache zu hören. Ich kann dir nicht versprechen, dass deine Wünsche erfüllt werden. Das Gericht wird mit mir sprechen, mit deinem Papa/deiner Mama und mit dir. Jedes Gespräch ist wie ein Puzzlestück. Am Ende setzt es das Puzzle zusammen und trifft eine Entscheidung.“

Jüngere Kinder gehen häufig einfach zur Tagesordnung über und feilen weiter an ihrem Lego-Bauwerk. Jugendliche wenden, während du das alles erzählst, vielleicht nicht einmal den Blick vom Smartphone ab. Erfahrungsgemäß filtert aber jedes Kind die wichtigen Informationen für sich heraus.

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Wenn Nachfragen kommen, beantworte diese wahrheitsgemäß aber kindgerecht. Auf die Frage: „Könnt ihr euch nicht einfach wieder vertragen?“ kannst du antworten: „Leider gelingt es uns nicht, den Streit alleine zu lösen.“ Dass du die Verantwortung dafür beim anderen Elternteil siehst, darfst du deinem Kind verschweigen, um es nicht zwischen die Fronten zu ziehen.

Wenn dein Kind wissen möchte, was es bei Gericht sagen soll, solltest du ihm keine Worte in den Mund legen. Älteren Kindern darfst du aber ehrlich sagen, dass das, was sie sagen werden, wichtig ist und ernst genommen wird.

Wenige Tage vor dem Termin kannst du dein Kind auf die konkrete Situation vorbereiten. Zeige ihm beispielsweise ein Foto des Gerichts. Erkundigen dich vorab, ob es in dem Gericht eine Sicherheitsschleuse am Eingang gibt. Viele Kinder finden diese irritierend und werden aus dem Konzept gebracht, wenn sie mit Metalldetektoren und Sicherheitspersonal konfrontiert sind. Es hilft oft, diese Situation vorab zu beschreiben und zu erklären.

Erklär deinem Kind, dass der Richter/die Richterin eventuell mitschreiben oder mithilfe eines Diktiergeräts Aufzeichnungen von dem Gespräch machen wird.

Solltest du auch eine Ladung bekommen haben, so ist davon auszugehen, dass das Gericht zuerst mit dem Kind sprechen möchte und nachher mit dir. Es ist also hilfreich, entweder eine Begleitperson mit zu dem Termin zu bringen, welche dann vor dem Zimmer mit dem Kind wartet, während du dein Gespräch hast, oder das Kind mithilfe eines Videospiels oder eines Buches zu beschäftigen.

Zu guter Letzt solltest du deinem Kind rund um das Scheidungs- oder Trennungsverfahren und das Gespräch bei Gericht immer vermitteln, dass es keine Schuld an dieser Situation hat, dass es nichts falsch machen kann und viele andere Kinder in der gleichen Situation sind.

„Ich liebe Dich, so wie du bist und egal was Du tust“ – Diese Sicherheit wünschen sich alle Kinder von ihren Eltern.

  • Brauchst du Unterstützung auf dem Weg durch ein Obsorge- oder Kontaktrechtsverfahren?
  • Spürst du Angst und Wut auf den/die Ex-Partner*in und brauchst jemandem, mit dem du diese Gefühle durcharbeiten kannst?
  • Willst du und dein/e Ex-Partner*in versuchen, eine außergerichtliche Einigung zu finden?

Wende dich gerne an mich. Meine Kontaktdaten findest du hier.

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