Warum uns Urlaub krank macht

Sommer, Sonne, ein kühler Badesee, ein gutes Buch – endlich ausspannen, entspannen, Kraft tanken! Das ganze Jahr warten wir auf den wohlverdienten Sommerurlaub. Egal ob im super-sonnigen Süden oder in heimischen Gefilden: Hauptsache Freizeit und Abschalten!

Aber was passiert? Am letzten Arbeitstag kratzt der Hals, im Urlaub selber ist die Erschöpfung so groß, dass man nicht mal eine Runde mit dem E-Bike radeln kann, und die Rückenschmerzen, die jetzt so lange kein Thema waren, machen das Liegen am Badesee zur Qual!

„Immer werde ich im Urlaub krank“, denkt man, schimpft auf das angeschlagene Immunsystem und wirft sich vielleicht das ein oder andere Multivitaminpräparat ein.

Dieses Phänomen ist weiter verbreitet als man denkt und hat dank einer Studie niederländischer Forscher*innen sogar einen Namen: „leisure sickness“ oder auf Deutsch die „Freizeitkrankheit“.

Und so funktoniert’s: In Phasen hoher Anspannung halten unsere Stresshormone das Immunsystem auf Trab und sorgen dafür, dass wir Erkrankungen besser abwehren können. Wenn es gerade um Leben und Tod geht, wir auf der Flucht sind oder mit letzter Kraft unsere Versorgung mit Nahrung bewerkstelligen müssen, würde uns ein Schnupfen auch höchst ungelegen kommen.

Heutzutage wird der Stress (zumindest in Europa) zwar nicht durch Nahrungsknappheit, sondern durch das ständig piepsende Smartphone oder den steten Termindruck ausgelöst, der Mechanismus bleibt aber der gleiche.

Irgendwann muss der Körper dann aber doch regenerieren und das tut er, sobald die Stresshormone sinken, also im Urlaub oder in der Freizeit. Dadurch steigt die Anfälligkeit für Erkrankungen. Außerdem werden im anstrengenden Alltag Körpersignale und die eigene Befindlichkeit durch zahlreiche Stressoren beiseite gedrängt. Im Urlaub ist mehr Zeit für Innenschau und so fallen Beschwerden auf, die zuvor nicht wahrgenommen wurden.
Grundsätzlich hat sich das die Natur gut überlegt: Immer Vollgas geht halt nicht! Blöd ist das natürlich trotzdem, denn so sind weder Alltag noch Urlaub wirklich entspannend.

Was kann man nun dagegen tun?

  • Von 0 auf 100 und wieder zurück ist in Bezug auf Stress kein Erfolgsrezept. Es zahlt sich aus, die Stressbelastung allmählich zu senken und nicht aus einer Phase höchster Anstrengung in den Urlaub zu stolpern. Also nicht am letzten Tag vor dem Urlaub noch drei neue Aufgaben angehen, sondern rechtzeitig und sinnvoll einen stimmigen Abschluss planen. So haben Körper und Psyche die Möglichkeit, sich langsam auf die Entspannung einzustellen.
  • „Leisure sickness“ betrifft vor allem Menschen, die ehrgeizig und perfektionistisch sind und ihrer Arbeit einen hohen Stellenwert beimessen. Es macht also Sinn, die eigene Einstellung zur Arbeit immer wieder zu hinterfragen:
    Stimmt die Balance zwischen meinen Lebensbereichen grundsätzlich?
    Ist dieses Ausmaß an Arbeitsbelastung dauerhaft tragbar?
  • Auch das eigene Freizeitverhalten sollte immer wieder kritisch hinterfragt werden:
    Ist meine Freizeit tatsächlich entspannend?
    Sollte ich neben einem Vollzeitjob, dem Singen im Chor und Zeit mit der Familie nun tatsächlich noch für einen Triathlon trainieren?
  • Jede Form von Stressbewältigung im Alltag hilft der psychischen und physischen Gesundheit, egal ob während der Arbeitszeit oder im Urlaub. Da Stress ein weit verbreitetes Problem ist, können Sie aus dem Vollen schöpfen: Es gibt eine breite Palette an Ratgeberliteratur, Online- und Präsenzkursen sowie Seminaren.
  • Und nicht zuletzt: Bedenken Sie, dass wir seit inzwischen 2,5 Jahren unter den besonderen Bedingungen der Corona-Pandemie leben. Der Taktschlag, den Sie vor drei Jahren vielleicht noch gut bewältigbar empfunden haben, kann durch die veränderten Gegebenheiten nun zu schnell geworden sein. Die Vielzahl an Möglichkeiten, Freizeitaktivitäten und Festivitäten kann nach langer Zeit der Reduktion überfordern. Hier hilft es, sich diese Umstände bewusst zu machen und sich langsam auf ausgewählte (Freizeit-)Aktivitäten einzustellen.
Photo by Mochammad Algi on Pexels.com

Wenn Sie Hilfe beim Ausbalancieren Ihrer Lebensbereiche brauchen, können Sie mich gerne auch noch vor Ihrem Urlaub kontaktieren. Meine Erreichbarkeit im Sommer 2022 finden Sie hier.
Um die eigene Stressbelastung zu reflektieren und Methoden zur Stressbewältigung zu erlernen, empfehle ich Ihnen mein Seminar „Durchatmen statt Hecheln – Stressmanagement als Gruppenselbsterfahrung“.
Im Seminar für Führungskräfte „Der Stress mit dem Stress“ setzen wir uns mit dem Erkennen von Stresssignalen bei Mitarbeiter*innen und wie man richtig darauf reagiert, auseinander.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten Einstieg in einen erholsamen Sommer!

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